Der oekom podcast - Die guten Seiten der Zukunft

Der oekom podcast - Die guten Seiten der Zukunft

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00:00:03: Die guten Seiten der Zukunft.

00:00:05: Der ÖKOM

00:00:06: Podcast.

00:00:08: Also wenn der Vorschlag so durchkommt, dann

00:00:10: haben

00:00:10: wir eben keine Koexistenzregeln mehr.

00:00:13: Keine Schutzmöglichkeiten vor gentechnischen Verunreinigungen und deshalb wird es auch unserer Meinung nach nicht mehr möglich sein, gentechnikfrei zu erzeugen weder konventionell noch ökologisch weil wir früher oder später Verunrei- nigungen haben wenn angebaut wird.

00:00:31: Hallo zusammen willkommen zu einer weiteren Folge unseres Ökom Podcasts.

00:00:35: am Mikrofon ist Manuel Schneider Heute im Gespräch mit der Gentechnik-Expertin Dr.

00:00:40: Martins hier in den Räumen des Münchner Zukunftsalons, zugeschaltet ist uns aus Lüneburg die Umweltwissenschaftlerin Annemarie Folling.

00:00:49: Schön dass ihr beide euch die Zeit nehmt.

00:00:51: wir drei kennen uns ja seit vielen Jahren.

00:00:53: ich

00:00:53: will auch daher nicht fremdeln und bleibe bei dem Vertrauten du herzlich willkommen!

00:01:04: Martin Mertens ist Biologin und seit Jahren Sprecherin des Arbeitskreises Gentechnik, das Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland.

00:01:11: Er war lange stellvertretende Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des BUND.

00:01:18: Annemarie Volling arbeitet für die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft.

00:01:22: ABL ist selber aufgewachsen auf einem landwirtschaftlich Betrieb und verfolgt nicht nur seit vielen Jahren die gentechige Debatte in der Landwirtschaft sondern gestaltet sie auch aktiv mit immerhin engem Kontakt und Austausch mit den Bäuerinnen und Bauern.

00:01:38: Wir haben also zwei unterschiedliche, jedoch sich ergänzende Perspektiven auf unser Thema – den Natur- und Umweltschutz sind die dazu gehörige wissenschaftliche Perspektive auf der einen Seite und die auf die landwirtschaftliche Praxis auf der anderen.

00:01:56: Anlass für unser heutiges Gespräch ist eine seit Jahren gährende aber nun in den nächsten Wochen anstehende politische Entscheidungen in Brüssel.

00:02:05: Eine Entscheidung, die letztlich wirklich jeden jede von uns angeht oder zumindest angehen sollte – nämlich ob wir in Zukunft noch die Wahl haben werden frei und informiert darüber zu entscheiden, ob das was wir essen mit- oder ohne den Einsatz von Gentechnik hergestellt wurde.

00:02:27: Diese Wahlfreiheit für mündige Bürgerinnen steht auf dem Spiel, natürlich neben anderen zum Beispiel ökologischen Fragen in Zusammenhang mit der Gentechnik.

00:02:38: Das Ganze wäre früher ein Aufregerthema gewesen.

00:02:42: Merkwürdigerweise dringt die ganze Debatte aber bislang kaum in die Öffentlichkeit und schafft es auch nur selten in die Medien.

00:02:49: Wir wollen in unserem Gespräch daher versuchen etwas Licht in die ganze Angelegenheit zu bringen.

00:02:57: welche Erfahrungen hat man bislangen mit der Akkogeneentechnik gemacht, worin unterscheidet sich die vielbeschworene neue Gentechnik von der bisherigen.

00:03:06: Wie sind die geplanten gesetzgeberischen Veränderungen auf EU-Ebene zu bewerten und was würde uns für uns alle aber eben auch für die Natur bedeuten wenn sie so wie geplant umgesetzt würden?

00:03:19: Das sind die zentralen Fragen, um die es nun in unserem Gespräch gehen soll.

00:03:26: Bevor wir uns mit der sogenannten neuen Gentechnik beschäftigen, sollten wir zunächst einen Blick auf die bisherige Gentechnika werfen.

00:03:34: Die erste gentechnisch veränderten Pflanzen wurden vor ziemlich genau dreißig Jahren in den USA eingeführt, verbunden mit großen Versprechungen an die Landwirte vor allem was höhere Erträge angeht, die mit diesen neuen Pflanzen erzielt werden sollen.

00:03:51: Frage vielleicht an dich zunächst Anne-Marie Aus Sicht der Landwirtschaft und der Märkte, wo stehen wir nach dreißig Jahren Akkogentechnik einmal weltweit aber natürlich auch bei uns in die EU und in Deutschland?

00:04:07: Ja vielen Dank.

00:04:08: Festzustellen ist das Gentechnik bisher keine Revolution für die Landwirtschaft gebracht hat.

00:04:14: Angebaut werden bisher vor allem alte Gentechnikpflanzen und man muss sagen, neunzig Prozent des Anbaus findet nach wie vor in fünf Ländern statt.

00:04:24: Das sind die USA Brasilien Argentinien Kanada und Indien.

00:04:28: Und zu Neuneinzig Prozent werden gerade mal vier gentechnisch veränderte Nutzpflanzen angebaut.

00:04:34: das sind vor allem gentechnische Veränderter Soja aber auch Mais Baumwolle und Raps.

00:04:41: Die werden vor allem für Futtermittel, für Biokraftstoffe und für die Textilindustrie angebaut.

00:04:48: In Lebensmitteln werden sie bisher kaum verwendet.

00:04:51: Und zu neunerneinzig Prozent haben diese gentechnisch veränderten Pflanzen nur zwei Eigenschaften nämlich eine Herbizidresistenz und eine Insektengiftigkeit.

00:05:01: was das ist dazu kommen wir bestimmt gleich.

00:05:04: Wie groß sind denn die Flächenanteile der Pflanzen?

00:05:07: Auf wie viel Hektar werden sie weltweit

00:05:19: angebaut.

00:05:20: Das

00:05:32: waren jetzt die weltweiten Zahlen, wie sieht das denn in Europa und Deutschland aus?

00:05:37: In Europa ist nur eine Gentechnikpflanze für den Anbau zugelassen, der sogenannte Mais Mon-Achthundertzehn von der damaligen Firma Monsanto jetzt Bayer.

00:05:48: Der resistent gegen einen Schädling ist.

00:05:52: Er wurde aber in vielen Ländern auch Zwei Tausendneuen in Deutschland aufgrund von Gefahren für Nichtzielorganismen verboten.

00:06:04: zu marginalen Flächen in Portugal und Spanien.

00:06:07: Europa ist fast gentechnik-Anbau frei, neunneinzig, neuen Prozent sind gentechnickfrei.

00:06:14: Das ist ein großer Wettbewerbsvorteil für europäische Bäuerinnen und Bauern.

00:06:19: Wenn man sich den Anbau von gentechig verändernden Pflanzen anschaut so ist das zumindest auf Europa bezogen alles andere als eine Erfolgsgeschichte.

00:06:29: aber dennoch ist die EU keine gentechenfreie Zone Oder macht er?

00:06:34: Ja, insbesondere was den Import angeht.

00:06:37: Wir haben sehr viele kindendisch veränderte Pflanzen vor allen Dingen Sojamais und Raps die importiert werden dürfen als Futtermittel.

00:06:47: Und bis in Baumwollöl ist auch dabei.

00:06:49: Baumwohle als Sexylin wird sowieso nicht gekennzeichnet aber Lebens- und Futtermittels sind ja kennzeichnungspflichtig also es wird recht viel importiert.

00:06:59: Aber es ist nicht so, dass wir völlig der Gentechnik-Fütterung uns geöffnet haben.

00:07:07: Denn einerseits gibt's natürlich den biologischen Anbau, der keine Gentechnique einsetzt und zum anderen gab's vor Jahren schon eine große Initiative in Deutschland die einen freiwilligen Kennzeichen ohne Gentechnick mit begünstigt hat und letztlich ist das auch von der Bundesregierung dann geschaffen worden.

00:07:27: Und dieses Ohne Gentechnik-Kennzeichen ist sehr wichtig, gerade im Milchbereich.

00:07:33: Also tierische Produkte Eier und Milch – da sind es gerade in Bayern über achtzig Prozent – heißt das der konventionellen Milch mit Ohne gentechnik Lebe gekennzeichnet.

00:07:45: Die Menschen haben aufgrund der Kennzeichen durchaus eine Möglichkeit sich zu entscheiden und das tun sie auch!

00:07:53: Tatsächlich ein wichtiger Erfolg, den die ZW-Gesellschaft in der Nullerjahre erreicht hat um den Menschen auch jenseits von dem Kauf von Bioprodukten eine gewisse Wahlmöglichkeit zu verschaffen.

00:08:08: Vielleicht eine ganz kurze Ergänzung damit es einfach ums klarzustellen.

00:08:12: Pflantliche Produkte müssen gekennzeichnet werden und bei tierischen Produkten Milch, Eier, Fleisch haben wir diese Kennzeichnungslücke.

00:08:20: wo dann dieses Diese freiwillige Kennzeichnungsmöglichkeit ohne Gentechnik entstanden ist.

00:08:25: Und tatsächlich, achtzig Prozent der in Deutschland, Deutschland erfassten Milch sind ohne Gentehnikfotarmittel erzeugt auch siebzig Prozent das Schalen-Eier und des Geflügelfleisches also ein hier einen sehr florierender Markt.

00:08:38: heute gab es gerade aktuelle Zahlen, achtzehn Millionen Euro.

00:08:44: Okay wir gehen nachher noch mal kurz auf die Eigenschaften dieser Pflanzen Aber ich finde jetzt schon auffallend, dass ja für die Gentechik immer geworben wird auch in der Öffentlichkeit.

00:08:56: Dass sie irgendwie helfen können mit den erhofften höheren erträgenden Welthunger zu bekämpfen.

00:09:03: De facto muss man aber feststellen das die Pflanzen vor allem als Tierfutter für die Märkte im globalen Norden verwendet werden

00:09:13: Tierfutter

00:09:15: und Akkusprit.

00:09:16: Wir kommen noch mal zurück zu dem Anbaustichwoch, das sind vorhin schon gefallen.

00:09:20: Das heißt, dass die Flanzen eigentlich nur zwei Eigenschaften haben.

00:09:25: Sie sind Herbizidresistent oder Insektenresistent.

00:09:30: Was bedeutet das jeweils?

00:09:31: Zum Beispiel für Herbezit-Toleranz konkret für den Landwirt Annemarie.

00:09:38: Herbizidtolerant heißt, dass die gentechnisch veränderten Pflanzen so verändert wurden.

00:09:43: Dass sie trotz einer Spritzung mit Herbiciden, also Pflanzenschutzmittel, die gegen sogenannte Unkräuter wirken, resistent gemacht wurden.

00:09:53: Das heißt man kann gentechnische Veränderte so ja anbauen und während der Wachstumsphase diese auch spritzen.

00:10:03: Und die meisten Herbizidresistentenpflanzen sind resistent gegen das sogenannte Totalherbizitglyphosat gemacht worden.

00:10:12: Allerdings hat sich gezeigt, dass ich in sehr kurzer Zeit Unkräuter relativ schnell anpassen konnten und ihrerseits Resistenzmechanismen entwickelt haben Sodass in den Ländern, wo glyphosatresistente Gentechnikpflanzen angebaut werden es tatsächlich zu einem erheblichen Mehreinsatz von Glyphosats gekommen ist.

00:10:35: So sind zum Teil sogenannte Super- und Kräuter entstanden und einzelne Flächen sind beispielsweise für den Ackerbau nicht mehr nutzbar weil man gegen diese Super Reeds gar keine Chancen mehr hat.

00:10:48: Und statt nun auf andere Techniken zu setzen, auf andere Mechanismen der Unkrautregulation wie Striegeln oder Hacken hat die Gentechnikindustrie nun gentechnisch veränderte Pflanzen entwickelt.

00:11:00: Die gegen mehrere Herbizide Resistenz sind und dadurch kam es zu einem Aufrüsten auf dem Acker.

00:11:07: kein Beitrag zum Umweltschutz, wie gerne versprochen wird.

00:11:11: Und diese Insektenresistenz?

00:11:13: was bedeutet das?

00:11:14: macht er?

00:11:15: Insektenresistenz, so wie wir sie bisher kennen.

00:11:17: im Genteltechnie-Bereich ist das ein Protein gebildet wird in den Pflanzen.

00:11:23: Das ursprünglich aus einem Bakterium stammt, Agro-Bacillus toringensis.

00:11:28: Deswegen werden Sie häufig auch als BT-Pflanzen abgekürzt.

00:11:32: und dieser Giftstoff der wirkt gegen Schmetterlinge oder Käfer.

00:11:37: Das sind die wichtigsten Schädlinge im Baumwohl und Maisanbau.

00:11:43: Und der Monarch unter zehn, der hier ja eine Zeit lang angebaut wurde ist genau so ein Beispiel.

00:11:49: Der ist dann verboten worden in Deutschland.

00:11:57: Erkenntnisse verdichteten, dass eben dieser Giftstoff der in allen Pflanzenteilen gebildet wird auch im Pollen dann über den Pollen beispielsweise oder anderes Pflanzenmaterial verbreitet wird und dann aufgenommen wird von anderen Insekten die ihrerseits eben empfindlich sind und geschädigt werden.

00:12:16: Also man trifft dann sogenannte Nicht-Zielorganismen und das ist ein großes Problem bei der Insekzenresistenz.

00:12:24: Bei der Insektenresistenz ist natürlich vergleichbar wie bei der Herbe-Zit-Resistenz, was sehr schon angesprochen wurde auch mit der Entwicklung von Resistenzen auf Seiten der Schadorganismen zu rechnen.

00:12:36: Und das hat sich tatsächlich gezeigt.

00:12:38: es gibt inzwischen den sehr vielen Ländern, in denen diese BT-Pflanzen angebaut werden entsprechende resistente Schadorganismen.

00:12:48: Mit der Folge, dass dann auch entweder weitere genteilische Veränderungen vorgenommen werden mit noch weiteren Giftstoffen in den Pflanzen oder und mehr und weitere Insektizide eingesetzt werden also kein wirklicher Reduktion des Insektezieleinsatzes.

00:13:06: Also bei beiden Eigenschaften ist, wenn überhaupt ein eher kurzfristiger Erfolg in Anführungszeichen zu verzeichnen der aber eben nicht langfristig ist und dann im Grunde mit so einer Aufrüstungsspirale dann führt.

00:13:23: Ich würde gern langsam zum Thema Neugehntechnik auch überwechseln.

00:13:28: Jetzt so Herbizidresistenz und Insektenresistenzen, die Kombination von beiden sind das auch.

00:13:33: Die Eigenschaften, die bei den Pflanzen der neuen Gentechnik dominieren oder dominieren sollen?

00:13:40: Oder welche Produkte sind sonst auf dem Markt oder kurz vor der Mark Zulassung?

00:13:45: Anne-Marie vielleicht kannst du uns da auf den Stand der Dinge bringen.

00:13:50: dazu gibt es tatsächlich auch eine wissenschaftliche Begleitforschung sozusagen dass Ein Bundesamt in der Schweiz macht das und die erstellen jährlich einen Überblick an welchen neuen Gentechnikpflanzen geforscht wird, aber auch welche schon auf dem Acker stehen.

00:14:08: Dazu werden öffentliche Quellen genutzt und auch hier zeigt sich dass trotz immenser Versprechen gerade auch bei den neuen Gentechnikpflanzen bisher kaum etwas auf dem Markt ist.

00:14:20: Konkret wachsen Neue Gentechnik Mais-Sorten, die sind beide von der Firma Corteva.

00:14:30: Also die Firma Daudupon das ist die Ackersparte und beide sind resistent wiederum gegen einen Totalherbizid in diesem Fall Glufosinat und beide haben je eine Insektenresistenz.

00:14:43: angebaut werden diese Pflanzen in den USA.

00:14:45: Und dann gibt es noch eine weitere Pflanze, eine dritte Pflanzer die auf dem Acker steht in Japan.

00:14:50: Das ist die sogenannte Gabatomate.

00:14:53: Die soll blutdrucksenkend wirken.

00:14:56: mehr gibt es nicht auf dem acker.

00:14:59: man muss feststellen dass zwei neue Gentechnikpflanzen bereits zurückgenommen worden sind.

00:15:04: das ist ein gentechnik raps und eine gentechnisch veränderte soja.

00:15:08: beide sind vom Markt verschwunden und es wird gesagt, dass sie sehr viel geringere Erträge hatten als die konventionellen Vergleichsorten.

00:15:16: Tatsächlich sind aber einige neue Gentechnikpflanzen in den sogenannten Entwicklungspipelines der Unternehmen und die sagen auch das die bald auf den Markt kommen sollen.

00:15:27: da gibt's zum Beispiel eine kompakt wachsende Brombeere ein Zwergmeiß also der nicht mehr so groß wächst sondern kleiner ist Und drei herbizidresistente Pflanzen, das sind Reis und Sorgum.

00:15:40: Das ist das was relativ bald auf den Markt kommen soll.

00:15:44: allerdings zeigen die Beobachtung dieses Schweizer Institut aber auch dass lenkt nicht alle angekündigten Pflanzen auf dem Markt tatsächlich dann auch gebracht werden.

00:15:54: zum Teil verschwinden sie ohne Angaben von Gründen oder Der Markteintritt wird weiter in die Zukunft verschoben.

00:16:04: Und was hat das für Gründe?

00:16:05: Die sind unterschiedlich.

00:16:06: zum einen Patentstreitigkeiten, also wer hat die Patente auf diese neuen Gentechnikauflagen erfunden?

00:16:13: aber auch dass diese Eigenschaften im Labor entwickelt werden und die sind gar nicht so einfach auf neue und aktuelle Hochertragsorten übertragbar.

00:16:25: Und viele funktionieren dann auf dem Acker, also in der Umwelt gar nicht so wie es im Labor oder im Gewächshaus passiert.

00:16:33: Also hier gibt es viele Ungewissheiten und bisher zeigt sich dass es auch bei den neuen Gentechniken noch keine Revolutionen auf dem acker gibt.

00:16:43: Du hast jetzt schon einige Gründe genannt warum es so ist aber das ist ja eigentlich erstmal auch erstaunlich dass es bislang eben kaum Pflanzen aus neuen gentechnischen Verfahren auf dem Markt gibt denn In den großen Ländern wie USA, Brasilien und Kanada können Sie ja bereits seit vielen Jahren ohne Zulassung angebaut werden.

00:17:00: Also das heißt, an der Regulierung kann es ja offenbar nicht liegen sondern wie du es ja schon angedeutet hast, offenbar auch neben so Patentfragen auch an wirklichen technischen Problemen in der Umsetzung.

00:17:15: Ja und vielleicht als Ergänzung noch, also man verspricht ja wirklich ganz viel auch bei den neuen Gentechniken zum Beispiel Ertragssteigerung oder Trockenresistenz.

00:17:25: Das ist total kompliziert.

00:17:28: Was die neue Gentechnik im Moment kann, sind eher einzelne Gene ein- und ausschalten.

00:17:34: Und damit schafft man einfach gar nicht so viel an neuen Eigenschaften sondern eher das was wir gerade genannt haben.

00:17:41: Und das sind oft auch Eigenschafte also Herbizidresistenz Insektenresistenzen oder aber Veränderung von Inhaltsstoffen in ihrer wie stark diese Inhaltstoffe hergestellt werden.

00:17:53: Das sind Eigenschaften, die die alte Gentechnik auch schon konnte.

00:17:57: Ein Argument für die neuen Gentechnikenpflanzen, was immer wieder ins Feld geführt wird, lautet ja dass sie besser mit klimawandelbedingten Wettertobolänzen umgehen können also insbesondere mit höheren Temperaturen und längeren Phasen der Trockenheit.

00:18:13: macht er... Hast du einen Überblick wie weit man dabei ist bei solchen trockenheits- toleranten Pflanzen?

00:18:20: Ja, die Hoffnungen sind natürlich sehr groß.

00:18:22: Sie werden auch permanent geschürt und geweckt und das soll ja auch einer der Gründe sein weswegen hier in der Europäischen Union die Deregulierung für diese Pflanzen vorangetrieben wird.

00:18:34: Aber de facto ist halt, wie Annemarie schon sagte nicht auf absehbare Zeit der große Durchbruch zu erwarten.

00:18:42: Denn es sind sehr viele Genen in der Regel an diesen komplexen Eigenschaften beteiligt mit einem sehr anspruchsvollen Netzwerk und da ist es nicht einfach mit einzelnen Genen und deren Veränderungen entscheidende Veränderung und entscheide Verbesserungen zu erreichen.

00:19:02: Das sind und das ist auch in Wissenschaft den Arbeiten zum Teil schon dargestellt worden, die herkömmende Züchtungsmethoden.

00:19:09: Und dass Nutzen von alten Sorten, die sich in bestimmten Regionen bewährt haben... viel besser und viel schneller.

00:19:17: Aber bisher sind diese Pflanzen, wenn sie verwendet werden natürlich nicht den Patentschutz unterworfen was wohin gegen die Neuen patentiert werden können.

00:19:26: und das sind sicherlich wichtige Anreize genau mit der neuen Gentechnik weiter zu machen und da dann in Politik und ja diverse andere Menschen auf die Öffentlichkeit zu überzeugen dass man insbesondere angesichts des Klimawandels diese neue Technik einsetzen müssen.

00:19:43: Aber es gäbe in Grundung genommen auch Alternativen der konventionellen Sucht und vor allen Dingen aber auch im Bereich der Anbaumethoden.

00:19:52: Ja, bezüglich der Anbarmethode kann wahrscheinlich eine Marine noch viel mehr sagen als ich, aber alte Sorten da zeigt sich immer wieder dass man da durchaus gute Erfolge erzielen kann und dann heißt das Design würde viel länger dauern wenn man eben herkömmliche Züchtungen betreibe.

00:20:10: Aber wir haben ja schon gehört, dass es nicht so einfach ist die Ergebnisse aus dem Labor- und Gewächshaus ins Freiland zu übertragen.

00:20:17: Und es ist ja nicht so das man jetzt tatsächlich eine schicke neue Sorte da vorhanden wäre, dass sie sofort auf den Markt käme denn die würde weiterhin dem Sortenschutzrecht unterworfen sein und müsste sich ebenfalls erst mal draußen über mehrere Jahre bewähren.

00:20:33: also der Zeitvorsprung, der ist recht gering wenn man die Experten fragt wäre recht gering, wenn man die Experte war.

00:20:43: Jetzt haben wir bereits über diese neuen Pflanzen gesprochen also die Züchtung Ziele, die hohen Erwartungen in sie und die noch eher bescheidenen Erfolge auf den Märkten.

00:20:56: Wie entstehen denn diese neuen pflanzen wie Konstrukte überhaupt?

00:20:59: Was ist das Neue an dieser Gentechnik?

00:21:03: dass sich hinter so etwas kryptisch anmutenden Begriffe wie CRISPR-Cas-Neun oder Gen-Schere verbirgt, macht er als Biologin.

00:21:13: Versuch uns das doch mal einigermaßen verständlich zu machen.

00:21:16: Also mit dem Begriff Gen-Schere wird umschrieben dass es Proteine gibt.

00:21:21: also die nennt man also fachspezifischen Nukleasen weil sie die Nukleinsäuren des Erbmaterials schneiden können.

00:21:30: Es gibt Proteine, da gibt es viele verschiedene aber welche, die eigentlich ursprünglich aus Bakterien stammen in Verbindung mit einer RNA?

00:21:40: Wir wissen jetzt zwischen eigentlich alle was RNA ist aufgrund der Debatte zu Corona Zeiten In Verbindung mit einer RNA können die so entwickelt werden, dass sie an bestimmten Stellen im Erbmaterial schneiden.

00:21:56: Und das ist tatsächlich das Neue was bisher mit der bisherigen Gentechnik nicht möglich war.

00:22:01: also man kann den Ort der Veränderung ansprechen muss natürlich vorher die Sequenzen Die Abfolge der Basen oder der Nuklein Bausteine in der Erb-Material kennen.

00:22:14: Also das ist immer Voraussetzung.

00:22:16: Aber dann kann man gezielt schneiden und die Zähle muss aber dann reparieren.

00:22:21: Und diesen Prozess hat man nicht im Griff, da eröffnet sich natürlich viele Möglichkeiten unerwarteter Effekte, sei es dass sie an der Schneidestelle zu Veränderungen führen, die man eigentlich nicht haben möchte oder auch noch an anderen Stellen im Erben Material.

00:22:39: denn diese Systeme, also dieses CRISPR-Cas-System zum Beispiel.

00:22:43: Das schneidet ja nicht nur an einer Stelle sondern an anderen Stellen die gleiche Sequenz oder die gleicher Abfolge der Bausteine ebenfalls.

00:22:53: Und das kann dann den sogenannten Ofttaget, also nicht am Zielort, sondern in anderen Orten ebenfalls zu unerwünschten Effekten führen.

00:23:02: Also da gibt es eine ganze Reihe von wirklich Unsicherheiten Und die wirken sich natürlich möglicherweise auf, wenn man Lebensmittel aus solchen Pflanzen gewinnen will oder auch das Verhalten der Pflanzen in der Umwelt.

00:23:19: Deswegen ist ja immer von unserer Seite die Forderung, dass auch selbst wenn eine Pflanze entwickelt würde, die hier auf den Markt kommen sollte, angeschaut werden muss und geprüft werden muss, was hat sich da verändert?

00:23:35: Und gibt es nicht unerwartete und unerwünschte Effekte?

00:23:38: allein schon auch wieder aufgrund der Technik.

00:23:40: Eine Ergänzung ist auf jeden Fall noch notwendig die wenig diskutiert wird.

00:23:44: um diese Konstrukte dieses kryptische Christ-Bakas überhaupt in eine Pflanze reinzubringen bedient man sich in aller Regel bisherigen Gentechnik.

00:23:55: also das ist ein zusätzlicher Punkt der nicht so gerne diskutiert wird, der aber eine Durchaus in der Genehmigungspaxis eine Rolle spielen sollte.

00:24:05: Das heißt die alte Gentechik spielt in der neuen Durchaus eine Rolle?

00:24:09: Ja genau!

00:24:09: Nach

00:24:10: wie vor

00:24:10: Genau, und da wird dann gesagt wir werden versuchen in den also wenn man die Pflanze weiterentwickelt.

00:24:16: In den Nachkommen darauf zu achten dass weil sich das natürlich dann aufspaltet ja nach dem männlichen Gesetzen, dass wir nur mit den Nachkommens weiter arbeiten und weiter zichten die dann den Einbau des Konstruks was gentechnisch erzeugt wurde nicht mehr enthalten.

00:24:37: aber Wir wissen alle aus der gendlichen Debatte, dass das alles nicht so einfach ist und dass man auch hier genau hinschauen wüsste.

00:24:45: Also wenn ich es richtig verstanden habe, hat man in Teilen schon eine größere Präzision beim Vorgehen.

00:24:53: aber man kann aus dieser Mehr an Präcision nicht unbedingt mehr an Sicherheit ableiten

00:25:00: Genau.

00:25:01: Das ist der wichtige Punkt, der eben oft nicht so gerne angesprochen wird.

00:25:06: Es hat dann suggeriert wir hätten jetzt mit der größeren Präzision den Stein der Weisen gefunden.

00:25:13: aber dass wir nach wie vor mit schwierigen Techniken zu tun haben das will man nicht so gern kommunizieren.

00:25:21: Wir gehen gleich noch näher auf die anstehenden und bzw auch daraus abzuleitenden Regulierungsfragen.

00:25:29: Aber eine zentrale Rolle dabei spielt, wenn ich die Diskussion richtig so wahrnehme.

00:25:35: Die Behauptung der Befürworter der neuen Gentechnik, dass die Ergebnisse der züchterischen Arbeit mithilfe des Genome Editings auch durch Zufallsmuttergenese also quasi auf natürlichem Wege entstehen könnten.

00:25:51: Es seien da keine wesentlichen Unterschiede im Genomen nachweisbar weil es ja auch eben keine Transgenenpflanzen sind, wo also Gene aus anderen Pflanzen übernommen werden.

00:26:02: Art Fremden und deshalb sei es auch unsinnig sie wie die klassische Gentechnik zu regulieren und zum Beispiel eine Gen-Kennzeichnung zu verlangen.

00:26:12: Mir kommt das immer so vor als ich bin der Leier.

00:26:14: aber wir kommen immer vor dass die Befürworter da etwas sag mal salopp argumentativ rum eiern oder nicht konsistent argumentieren.

00:26:24: Denn auf der einen Seite wird immer wieder betont das neue, das revolutionäre Disruptive an den neuen Gentechik, Chris Parkars gab es ja auch ein Nobelpreis.

00:26:34: was das züchterische Ergebnis aber dann angeht heißt ist dass sei alles nichts anderes als das was die Natur durch Zufallsmutationen auch hätte herstellen können also naturidentisch sozusagen nur eben schneller und gezielter.

00:26:47: Was stimmt denn nun?

00:26:48: Oder anders gesagt, was kann die Gehenschere mehr als die klassische Züchtung?

00:26:52: und vor allem kann man dieses Meer auch im Genom erkennen und nachweisen.

00:26:58: Weil dieser Nachweis ist ja auch zentral wenn man die Ausbreitung zum Beispiel kontrollieren will.

00:27:06: Also es mag Fälle geben, wo das tatsächlich die gewünschte oder beobachtete Veränderung auch natürlicherweise entstehen kann.

00:27:14: Wenn es also nur kleine Veränderungen sozusagen sind im Genom dann mag es nicht so einfach sein zu beweisen dass es in einem Fall natürlicherweise entstanden ist und im anderen Fall mit Hilfe von Gentechnik.

00:27:31: aber die Nachweisverfahren werden noch besser und besser und entwickeln sich weiter.

00:27:37: Und es gibt inzwischen durchaus Projekte, durchaus inzwischen auch von der EU gefördert die zeigen mit einem Strauß an Ansätzen kann man durchaus sinnvolle Nachweisverfahren entwickeln.

00:27:53: also das ist eine dass man auf jeden Fall auch nachweisverfahren dann irgendwann hat.

00:27:58: und was zusätzlich natürlich zingend wäre sollte die Pflanzen auf den markt kommen Dass die Anwender, die Anmelder Antragsteller einen Nachweisverfahren mitliefern.

00:28:11: Das müssen sie jetzt machen bei dem Antrag auf eine kinderisch veränderte Pflanze und das soll ihnen erlassen werden.

00:28:19: Und das geht natürlich gar nicht, ja!

00:28:22: Das ist das Eine was wir ein bisschen vorgereifen vielleicht der späteren Debatte.

00:28:28: Aber es gibt natürlich durchaus Unterschiede zur herkömmlichen Zichtung.

00:28:31: Ich habe ja Anfangs schon gesagt, dass die CRISPR-Cas-Methode auch erlaubt vergleichbare ähnliche manchmal mit selbst so kleinen Unterschieden versehene Sequenzen im Erbmaterial zu schneiden und wir wissen das Pflanzen auf ganze Genfamilien haben.

00:28:52: also das kann mehrere Gene in der Pflanze dann treffen, das würde mit der herkömmlichen Züchtung nicht gehen.

00:29:00: Auch dass man gleichzeitig mehrere Gene verändert also sogenanntes Multiplexing wie das gerne genannt wird auch das macht die klassische Züchtungen nicht.

00:29:12: und dann kann man noch ein paar andere Dinge vielleicht erreichen.

00:29:16: mit neuer Gentechen die mit herkömlischer Züchtungs nicht möglich sind wie Trennung von sehr nah Also eng benachbarten, gehen solche Dinge da magst dann schon ganz interessant sein auch mit neuer Gentechnik ran zu gehen.

00:29:31: Aber das ist alles sind alles Indizien dafür dass es eben nicht identisch ist mit der herkömmlichen Zichtung und da wird einfach nur Nebelkerzen geworfen um das möglichst einfach dann zu gestalten.

00:29:45: Die EU Kommission hat ja bereits vor Jahren angekündigt für diese neuen Form kindtächtig veränderte Organismen, die Märkte weitgehend unreguliert zu öffnen.

00:29:57: Es soll für sie eben nicht die sonst übliche Zulassungsprüfung hinsichtlich ökologischer und gesundheitlicher Risiken geben noch eine hinreichende Kennzeichnung oder gar ein Monitoring also eine Beobachtung nach Inverkehrbringung dieser Pflanzen.

00:30:14: Bürokratieabbau liberalisierung deregulierung das sind So die Schlagworte, die für die einen attraktiv klingen und für die anderen markieren sie eher die Missachtung des in der EU eigentlich geltenden Vorsorgeprinzips.

00:30:29: Anne-Marie, könntest du uns die wichtigsten Eckpunkte des Vorstags der EU-Kommission vorstellen?

00:30:36: Die ja bereits mit dem EU-Rat und dem EU Parlament weitgehend abgestimmt und geeint sind.

00:30:44: Was sind die zentralen Änderungen gegenüber dem bisherigen?

00:30:51: Also letztendlich soll nur noch die Transgene Gentechnik nach den bisherigen Regeln reguliert werden.

00:31:02: Artfremde Gene eingebaut werden und alles andere, was mit den neuen Gentechniken entwickelt wird soll anders reguliert werden.

00:31:12: Und dazu hat die EU-Kommission zwei neue Kategorien geschaffen.

00:31:17: Die sogenannte Kategorie eins soll völlig unreguliert freigesetzt werden und die kategorie zwei soll abgeschwächt reguliert.

00:31:28: Für die Kategorie Eins sind Kriterien aufgestellt worden und diese Kriterie sind enorm weit gefasst.

00:31:35: Da steht zum Beispiel drin, dass es möglich sein soll bis zu zwanzig gentechnische Veränderungen gleichzeitig an einer Pflanze vorzunehmen und trotzdem sollen sie in diese Kategorie Eins eingestuft werden.

00:31:50: Das Bundesamt für Naturschutz hält diese Kriterien für unwissenschaftlich und sie haben berechnet, dass über neunzig Prozent der zu erwartenden neuen Gentechnikpflanzen in dieser Kategorie eins fallen würden.

00:32:04: Über neunzig Prozent!

00:32:06: Und solche neuen Gentechnekpflanzen der Kategori Eins sollen keine verpflichtende Risikoprüfung mehr haben und Sie sollen auch kein Zulassungsverfahren mehr durchlaufen.

00:32:17: Und die Hersteller, das hat Marta eben schon so ein bisschen erwähnt.

00:32:21: Die sollen nicht mehr verpflichtet werden einen Nachweisverfahren zu liefern, obwohl es für die Hersterler durchaus gut möglich ist, denn sie wissen ja welche Sequenzen Sie verändert haben.

00:32:32: deshalb sind auch für sie nachweisverfahren gut möglich.

00:32:35: keine Nachweissverfahren heißt aber eben auch keine Rückverfolgbarkeit mehr und auch keine Rückholbarkeit im Schadensfall.

00:32:46: Neun Gentechnikpflanzen der Kategorie eins soll es auch keine Koexistenzregelungen mehr geben, also keine Schutzmöglichkeiten vor Verunreinigungen.

00:32:56: Wir hatten bisher einen Standortregister, wo die Betriebe und Saatgutzüchter nachgucken könnten.

00:33:02: Wo soll Gentechnik freigesetzt oder angebaut werden?

00:33:06: Das soll wegfallen.

00:33:08: Und auch Anbauabstände zwischen gentechnikfrei- und gentechnisch nutzenden Betrieber – das soll es alles nicht mehr geben!

00:33:15: Es Obt out mehr geben, also die Möglichkeit für Mitgliedstaaten auf ihrem Hoheitsgebiet nein zu sagen zum Anbau von solchen neuen Gentechnikpflanzen und es soll vor allem auch keine Haftungsregelung mehr geben im Schadensfall.

00:33:32: Diese NGT-I Kategorie soll im Ökolandbau verboten sein aber auch der Ökelandbau hat keine extra Schutzmöglichkeiten vor Kontaminationen.

00:33:44: Monitoring soll wegfallen, also die Beobachtung was passiert wenn solche Pflanzen auch über Jahre in der Umwelt freigesetzt werden und auch Notfallmaßnahmen.

00:33:54: Also wenn wir tatsächlich einen Schaden zum Beispiel für die Umwelt haben dann soll es keine.

00:34:02: Dann soll die Zulassung nicht mehr gestoppt werden und noch keine Maßnahmen gibt es was zu regeln ist.

00:34:08: Es soll lediglich das Saat gut gekennzeichnet werden.

00:34:12: Die Bäuerinnen und Bauern hätten die Möglichkeit am Saatgutsack zu sehen, ist hier neue Gentechnik der Kategorie eins drin.

00:34:19: Auch ein bisschen kryptisch da steht dann Cut-Eins-NGT weiß auch nicht jeder was das heißt.

00:34:24: aber die haben die Möglichkeit gentechnikfreies Saat gut zu kaufen Aber der ganze Rest der Kette hat es nicht mehr.

00:34:31: Die Unternehmen werden nicht mehr informiert und auch die Verbraucher nicht mehr weil es eben keine Kennzeichnungspflicht bis zum Endprodukt mehr geben soll.

00:34:39: Und dadurch stehen Verarbeiter, aber auch wir alle als Verbraucherinnen im Dunkeln.

00:34:45: Wir werden keine Wahlfreiheit mehr haben und wir können nicht mehr selbstbestimmt entscheiden ob wir Gentechnik essen wollen oder ob wir gentechnik frei uns ernähren wollen.

00:34:56: Ein Großteil ganz kurz noch dieser zu erwartende neuen Gentechnikanisten soll also komplett dereguliert werden und das ist eben aus bäuerlicher, aus Umweltsicht, Aber auch aus Verbraucherschutzsicht nicht hinnehmbar.

00:35:09: Deshalb gibt es weiterhin massive Kritik an diesem Gesetzesvorschlag?

00:35:15: Ich würde gerne mal auf einen Punkt angehen.

00:35:17: Es ist ja eine denkbar weite Liberalisierung, eigentlich eine komplette Abschaffung auch der bisherigen Gentechnik-Gesetzgebung und Auffallend ist so das zentrale Argument dass mit diesen zwanzig Veränderungen ist also quasi wenn ich diese Schwelle nicht überschreite falle in diesen weitgehend und jeglichem Prüfung eingestellten Bereich.

00:35:47: Wie kommt es überhaupt zu dieser Festlegung, dieses letztendlich ja doch alles entscheidenden Schwellenwärts?

00:35:52: Gibt es dafür?

00:35:54: macht er aus deiner Sicht irgendeine wissenschaftliche Evidenz oder wie kommen solche Grenzziehungen zustande?

00:36:02: Ja da fragen sich viele Wissenschaftler, wie das zustande gekommen ist Schlüsselpublikationen, in der das gezeigt worden wäre, die gibt es nicht.

00:36:12: Also mir ist jedenfalls auch nicht bekannt und es wäre bestimmt weit verbreitet worden wenn's die gäbe.

00:36:19: Es ist auch so dass natürlich eine korrelation, eine stringente Korrelation zwischen der Größe der Veränderungen oder der Zahl der Verenderung und dem Risiko nicht existiert.

00:36:33: Das haben auch die Ökologen, also die universitären Ökogen in ihrer Positionsfindung und ihre Stellungnahme zu dem Entwurf der EU-Kommission festgestellt.

00:36:45: Es ist einfach nicht so verantwortend aus Wissenschaft, wie er sich zu sagen ab einer bestimmten Zahl oder unterhalb einer bestimmte Zahl von genetischen Veränderungen besteht kein Risiko und wir müssen nicht näher hinschauen.

00:36:59: Und da kommt noch dazu dass diese Veränderung an sich, dann die einzelne Veränderung dieser möglichen Zwanzig.

00:37:06: Ja ihrerseits wieder bis zu zwanzig Veränderungen in der Sequenz haben kann also den Austausch von Nukleotiden, also von diesen Bausteinen oder der Ersatz.

00:37:19: Also so dass man mit zwanzich mal zwanziger sind ja schon mal bei sei ich jetzt mal locker gerechnet bei vierhundert potentiellen veränderten Bausteine einer Pflanze in einem Erbmaterial.

00:37:34: Und das ist wissenschaftlich einfach nicht zu begründen, zumal es aus der Forschung natürlich hinreichend Beispiele gibt dass selbst im Extremfall die Veränderungen einer einzelnen Basis also eines einzelne Nukleotids zu gravierenden Veränderungen führen kann.

00:37:51: Zu einem Krankheitsbild zum Beispiel bei Menschen, die bekannte Thalassinie eine Blutkrankheit, die das Hemoglobin, die Hämoglobinbildung betrifft.

00:38:00: Da ist in vielen Fällen eine einzige Basis ausgetauscht.

00:38:04: Also da dann davon auszugehen wir müssen da nicht hinschauen weil es bis zu zwanzig Veränderung mit ihrerseits viele Detailveränderungen kein Risiko gibt, das ist wissenschaftlich einfach nicht zu begründen.

00:38:20: Es ist ja schon erstaunlich irritierend dass eben dieses alles entscheidende Kriterium darüber entscheidet ob eine Pflanze hinsichtlich ihrer Risiken für Natur und Umwelt überprüft wird letztendlich wissenschaftliche keine Evidenz aufweist.

00:38:41: Auf einen also es zeigt im Grunde auch So ist jetzt meine Vermutung, wie groß auch der Druck des Seitens der Industrie ist hier zu einer möglichst liberalen Lösung.

00:38:53: Zu kommen

00:38:55: zwischen drei Fragen beim Menschen würde man das nicht akzeptieren?

00:38:59: Also das nimmt man so hin oder postuliert es bei Pflanzen weil man sagt ja gut da ist die Dramatik vielleicht nicht so groß.

00:39:08: also da können wir das Risiko wenn man so will eingehen.

00:39:14: Ich würde gerne auch auf einen ökonomisch zentralen Aspekt eingehen.

00:39:17: Anne-Marie, du bist seit vielen Jahren bei der Initiative No Patents Un Seed bzw.

00:39:22: kein Patent auf Leben aktiv?

00:39:25: Die Patentfrage war lange Zeit bei der neuen Gentechik Horum Stritten.

00:39:30: selbst der Bauernverband, der sich ja sonst nicht scheut, auch Position in der Agrarindustrie zu übernehmen hat sich gegen die Patentierung dieser neuen Pflanzen ausgesprochen.

00:39:41: Wie ist da der Stand der Dinge?

00:39:44: Ja, vielleicht vorweg Patente.

00:39:48: Warum ist das so schwierig?

00:39:49: Patente behindern die freie und unabhängige Züchtungsarbeit, da sie den Zugang zu Saatgut- und zu genetischen Ressourcen erheblich einschränken oder blockieren.

00:40:01: Und damit behindern Patente zukünftige Züchtungen.

00:40:05: Sie behindern Innovationen und führen zu großen Rechtsunsicherheiten gerade auch bei weil letztendlich sehr schwer einzuschätzen ist, ob ihre Sorten mit denen sie neu auf den Markt wollen oder schon auf dem Markt sind von Patenten betroffen sind.

00:40:22: Und selbst die KWS, die kleinen Bandslebender Saatgut – das ist die Nummer sechs am Saat-Gutmarkt – spricht vom einem patente Dschungel, selbst die haben Schwierigkeiten genau rauszufinden sind wir mit unseren Sorten von Patenten betroffen.

00:40:38: Patente gefährden also zukünftige Züchtungen und letztendlich unsere Unabhängigkeit, unsere Ernährungs-Souveränität.

00:40:45: Und deshalb ist auch der Deutsche Bauernverband und auch der Bundesverband der deutschen Pflanzenzüchter tatsächlich gegen diese Patente – das ist auch weiterhin so!

00:40:56: Zu Anfang zu deiner politischen Frage hat das Europaparlament in seinem Votum zu diesem Gesetzesvorschlag deshalb auch gefordert, dass Patente auf Pflanzen deren Produkte und die genetischen Eigenschaften verboten werden.

00:41:14: Egal ob sie konventionell gezüchtet oder durch neue Gentechniken erzeugt wurden.

00:41:20: Das ist jetzt leider im aktuellen Stand, also in diesem Trilog Kompromissvorschlag nicht umgesetzt worden.

00:41:29: Und hier gibt es nur... Wie sagt man unwirksame Scheinlösung, die das eigentliche Patentierungsproblem überhaupt nicht angehen?

00:41:38: Also hier soll man angeben wurde eine solche Pflanze patentiert oder ist eine Patentierung in der Pipeline.

00:41:46: Das soll gemacht werden.

00:41:47: und Lizenzplattformen.

00:41:48: Das hilft aber überhaupt nicht gegen dieses Patentproblem und deshalb muss hier erheblich nachgebessert werden und sogar auch mit dem BDP.

00:42:04: Gut, wir müssen langsam zum Ende unseres Gesprächs kommen.

00:42:08: daher die Frage an euch beide also angenommen der Vorschlag der EU-Kommission nimmt die letzte parlamentarische Hürde was würde das ganz konkret bedeuten?

00:42:19: macht da zb welche Auswirkungen auf die Natur und Ökosysteme wären zu befürchten?

00:42:27: Ja, das sind natürlich die Sorgen, die uns umtreiben, die wir bisher in Gehtechnik auch hatten.

00:42:32: Dass natürlich die Pflanzen wenn sie eben verändert sind sich genauso verbreiten auskreuzen können wie sie nicht verändert sind und je nachdem welche Eigenschaften sie dann haben.

00:42:44: es sind die möglicherweise für den Umwelt also für den Boden für andere Pflanzen für Insekten beispielsweise Bestäuber oder viele andere Organismen Schädlich.

00:42:54: Und wir kennen ja vielfach das Netzwerk des Lebens nicht in Demate, um da zu sagen, dass spielt keine Rolle.

00:43:04: und verschärfend wäre danach zu fürchten, dass nachdem die Kommission ja nicht nur die Nutzpflanzen da freigeben will für die gentehensch Veränderung mit CRISPRK

00:43:14: etc.,

00:43:15: sondern auch alle Pflanzen im Prinzip auch Bäume, Gehölze, Wildpflanzen, Algen also da soll es ja auch gar keine Grenze geben Und das ist besonders im höheren natürlich zusätzlich.

00:43:27: Das hat auch die Ökologenzunft auf den Plan gerufen und zu sagen, also es geht nicht.

00:43:34: Sie appellieren auch an die Kollegen in der Wissenschaft, an dieser Stelle wenigstens Heiz rufen.

00:43:41: aber bisher ist aus der Vorlage dieser Passus nämlich dass quasi alle Pflanzen erfasst sind, nicht rausgekommen.

00:43:51: Also wir fürchten natürlich vieles ungut eröffnen würde, aber gleichzeitig wird natürlich ein großer Umweltverband wie der BUND versuchen Aufklärung und Informationen zu verbreiten und zu betreiben.

00:44:07: Und mit dafür zu sorgen dass die dramatischen Entwicklungen die nicht auszuschließen sind letztlich doch nicht eintreten.

00:44:17: Die Frage an dich Anne-Marie wenn die EU das alles so beschließt wie geplant wird es in Zukunft dann auch eine gentechigfreie Land- und Lebensmittelwirtschaft geben, die sich nach den letzten Zahlen nicht gesehen haben.

00:44:32: Über achtzig Prozent der Menschen eigentlich wünschen ist eine Korrexistenz von Landwirtschaft mit und ohne Gentechik unter diesen Umständen überhaupt noch möglich?

00:44:45: Also wenn der Vorschlag so durchkommt, dann haben wir eben keine Co-Existenzregeln mehr.

00:44:50: Keine Schutzmöglichkeiten vor gentechnischen Verundereinigungen und deshalb wird es auch unserer Meinung nach nicht mehr möglich sein, gentechnikfrei zu erzeugen weder konventionell noch ökologisch weil wir früher oder später Verunreinigungen haben, wenn angebaut wird.

00:45:08: Das fängt beim Saatgut an.

00:45:10: hier auch hier gibt es keine Schutzmöglichkeiten mehr und das ist natürlich beim Anbau so bei der Aussaat, bei der gemeinsamen Maschinennutzung.

00:45:19: Überall wird es zu Kontaminationsrisiken kommen und das wird ein sehr großes Problem.

00:45:26: Wenn man versuchen will die Kette gentechnikfrei zu halten dann bedeutet das ein sehr... hohen Aufwand und sehr hohe Kosten.

00:45:34: Und diese Verantwortung dafür wird mit diesem Gesetzesentwurf komplett auf die gentechnikfreie Erzeugung gelegt, wir haben alle Kosten und allen Aufwand zu erledigen.

00:45:46: Die Gentechnikindustrie bekommt einen Freifahrtsschein.

00:45:50: Früher gab es eine ausgleichende Gerechtigkeit.

00:45:54: Das bestehende Gentechnikgesetz ist fair für beide Seiten, man kann gentechnik anbauen und freisetzen hat aber Regelungen einzuhalten.

00:46:03: Und das alles soll wegfallen.

00:46:04: und deshalb ist es fordern wir von der Politik also vom Europaparlament und von den Mitgliedstaaten die Sicherstellung das Recht auch in Zukunft gentechnisch frei zu erzeugen weil das wollen Die Bäuerinnen und Bauern, wir wollen unsere Märkte sichern.

00:46:21: Und wir wollen auch das erzeugen was die Verbraucher wollen.

00:46:24: Du hast es gesagt.

00:46:25: Achtzig Prozent der Verbraucher wollen auch weiterhin mindestens die Entscheidungsfreiheit haben und dann wollen sie sich natürlich auch gentechnikfrei ernähren.

00:46:35: also hier ist viel nachzubessern gerade was eine gentechnickfreie Erzeugung angeht aber eben auch das Vorsorgeprinzip was völlig missachtet wird.

00:46:45: Was Martha Meertens ja schon gesagt hat.

00:46:49: Und natürlich brauchen wir wirksame Lösungen in der Patentfrage, ohne dem ist dem Ganzen nicht zuzustimmen.

00:46:56: und Bisher kann man auch noch was machen.

00:46:58: Es ist ja noch nicht entschieden, wir müssen alle ans Europaparlament ran.

00:47:03: Wir müssen dem Europaparlament erzählen, was auf dem Spiel steht aus einer bäuerlichen Perspektive, aus einer züchterischen Perspektiven, aus der Umweltschutzperspektive.

00:47:13: Viele haben sich damit noch nicht eingehend beschäftigt.

00:47:16: Die haben gerade ganz viel zu tun.

00:47:18: Deshalb müssen wir daran und ihnen sagen, dass sie gegen diesen Gesetzesvorschlag stimmen müssen.

00:47:25: Und da muss man sich aber auch beeilen, weil es heißt, dass es Mai-Juni auf jeden Fall wahrscheinlich vor der Sommerpause dazu eine Entscheidung kommen soll auf EU-Ebene.

00:47:39: Das heißt also ist das ein Thema was spannend und herausfordernd bleibt längerfristig, aber eben auch kurzfristig von uns ein gewisses Engagement erfordert.

00:47:51: Ja vielen Dank!

00:47:53: Von meiner Seite aus so ein kurzes Fazit für unser Gespräch versuchen will.

00:47:59: Es war ja von vornherein nicht als Streitgespräch inszeniert, ich hatte keinen Industrievertreter oder sonstigen Verfechter des EU-Vorhabens eingeladen.

00:48:09: Ich finde jedoch man muss eigentlich kein dezidierter Gegner der Gentechnik sein um eine angemessene Regulierung ihrer Risiken zu fordern Zumal ja das Vorsorgeprinzip in der EU geltendes Recht ist, dass es zu beachten gilt.

00:48:27: Ein vorsätzlich sorgloser Umgang mit der neuen Gentechnik so wie er derzeit geplant ist sollte sich daher eigentlich von vornherein verbieten und man muss erst recht kein Gegner der Gentechnika sein um die Ermöglichung der Wahlfreiheit für Landwirtinnen Konsumentin einzufordern.

00:48:50: Das ist für mich keine Frage von Technologie Skepsis oder gar Technologiefeindlichkeit, vielmehr eine ganz grundsätzliche Frage von Freiheit und Demokratie – ganz gleich wie man generell zu dieser Technik steht.

00:49:06: Ja mit diesen persönlichen Anmerkungen, Schlussfolgerung oder ich glaube Neudeutsch heißt das Take-Home-Messages möchte ich unser heutiges Gespräch beenden nicht ohne bei euch beiden ganz herzlich für die verständliche, sachliche und sachkundige Behandlung des Themas zu bedanken.

00:49:25: Alles Gute euch für euer weitere Arbeit und viel Erfolg!

00:49:30: Das liebe Zuhörerinnen und Zuhöhrer war unser Ökom Podcast heute im Gespräch mit der Biologin Marta Mertens und der Umweltwissenschaftlerin und Aktivistin Anne-Marie Volling.

00:49:42: Weitere Infos zum Thema der Sendung Finden Sie in den Show-Notes oder der www.ecom-verein.de.

00:49:49: Schön, dass Sie dabei waren!

00:49:51: Danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.

Über diesen Podcast

Wie können wir mit neuem Denken und beherztem Tun die Krisen unserer Zeit bewältigen?

Der oekom podcast „Die guten Seiten der Zukunft“ gibt hierzu Denkanstöße. Mit Lesungen aus Büchern, Essays, Vorträgen und Gesprächen über Themen, die die Welt bewegen (sollten): Was tun gegen die Erhitzung unseres Planeten oder den Verlust an Biodiversität? Wie können wir unser eigenes Leben ökologischer und nachhaltiger gestalten – und dabei an Lebensqualität gewinnen?

Vordenker*innen des weltweiten Diskurses über Nachhaltigkeit kommen zu Wort: analysieren klug, klären auf, stimmen nachdenklich – und machen Mut: für eine Zukunft mit Zukunft.

Der oekom podcast „Die guten Seiten der Zukunft“ ist ein Gemeinschaftsprojekt des oekom vereins im Rahmen des Projektes "münchner zukunftssalon" mit dem oekom verlag.

von und mit oekom verein & oekom verlag

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